Malmsteen Stratocaster
Zoom MRS 1266
Line6 Pocket POD
Line6 POD 2.0
Korg Kaossilator
Boss SL-20 Slicer
Alesis Micron
DigiTech Jam Man Looper
Malmsteen Stratocaster

Fender Malmsteen Stratocaster

Ein lang gehegter Wunsch ging endlich in Erfüllung - im April 2009 habe ich mir eine Malmsteen Stratocaster in Candy Apple Red mit Maple Neck zu gelegt!

Seltene Farbkombination - aber meiner Meinung nach einfach ein Augenschmaus (es sei denn man stammt von der Fraktion "eine Gitarre darf jede Farbe haben, hauptsache sie ist schwarz"). :-) Malmsteen selbst sieht man fast nie mit der roten (er bevorzugt Vintage White oder Sonic Blue), aber mir ging es ja nicht darum, was Malmsteen gefällt - wenn man mal an seine Klamotten, seine Frisur und das Schmuck-Gebamsel, das er umhängen hat, ist es ohnehin bedenklich, wenn sich jemand seinen Geschmack als Vorbild nimmt... ;-))) Für mich, der ich ohnehin einen Hang zu Rot habe (wie man auf dieser Seite unschwer erkennen kann) gab es da keine langen Farb-Diskussionen.

Nachdem ich die Malmsteen-Strat jahrelang nur von Bildern kannte und immer wieder hoffte, mal eine live antesten zu können, bekam ich Anfang 2009 das erste mal eine zum Antesten in die Finger. Und sschon nach wenigen Sekunden war klar: Das Teil muss her!!!

Ich bin zwar kein Malmsteen-Jünger (auch wenn ich seine Musik zum Teil schon interessant und vor allem sehr eigenständig finde und seine unglaublich rasanten spieltechnischen Fähigkeiten bewundere - wer hat schon einen solchen Wiedererkennungswert?) und habe nicht vor, seine Musik auf dieser Gitarre nachzuspielen, aber das Instrument bietet so viel, dass meines Erachtens so ziemlich jeder Gitarrist aus fast jeder Musikrichtung seinen Spaß daran haben kann.



Beonderheiten der Malmsteen Stratocaster

Zuallererst die wohl auffäligste Besonderheit der Malmsteen Strat, für die sie auch berühmt ist: der scalloped Neck - die Bünde sind zwischen den Bundstäbchen halbrund ausgefräst, was dafür sorgt, dass man beim Spielen mit den Fingern das Holz des Griffbretts nicht mehr berührt, sondern nur noch die Saite selbst. Mit diesem Feature ist die Malmsteen Strat meines Erachtens ziemlich einzigartig am Markt. Mir sind neben der Blackmore Stratocaster (die ein etwas "eingeschränkteres" Scalloping hat) und einigen Rock-Spezialitäten à la Ibanez JEM (die das Scalloping nur in den hohen Bünden hat) keine weiteren Instrumente bekannt, die über etwas derartiges verfügen. Und mir ist kein einziges Serien-Instrument bekannt, das ein mit der Malmsteen Strat vergleichbares Voll-Scalloping hat. Verrückt eigentlich, denn das Spielgefühl ist gelinde gesagt der Hammer.
Im Gegensatz zu den meisten "regulären" Strats verfügt die Malmsteen Strat über 3 DiMarzio YJM-Tonabnehmer (Mini-Humbucker), die etwas mehr Power haben als die meisten anderen Fender-Pickups. Aber zum Glück auch nicht zu viel Power! Das Strat-Feeling bleibt auf brummfreie Weise erhalten. Es ist also kein Metal-Humbucker-Klon im Strat-Gewand, sondern authentischer Fender-Sound, der sich bei Bedarf (so macht es bspw. Malmsteen selbst) über einen externen Booster "anblasen" lässt, falls man es doch mal etwas härter braucht. Einen in einschlägigen Gitarrenforen häufig diskutierten Austausch durch Fender Texas Specials halte ich für nicht nötig - es sei denn man will genau diesen Sound. Aber damit nimmt man sich auch einiges, denn die YJM-Pickups haben meines Erachten ihren ganz eigenen Reiz.
Die Malmsteen Strat hat "nur" einen 3-Wege-Schalter für die Tonabnehmer (im vergleich zu den aktuelleren Standards, die zumeist über 5-Wege-Schalter verfügen). Hier wird immer wieder diskutiert ob man nicht einen 5WS nachrüsten sollte, weil einige berühmte Strat-Sounds (z.B. à la Knopfler) in den Zwischenpositionen zu finden sind. Ich persönlich finde aber nicht, dass man einen 5WS für diese Gitarre braucht - denn erstens sind es keine "normalen" Strat-Tonabnehmer sondern Mini-Humbucker, die sich in den Zwichenpositionen sowieso ein wenig andes verhalten würden und zweitens sollte derjenige, der den "absolut authentischen" Strat-Sound will auch einfach eine "absolut authentische" Strat benutzen und kein so eigenständiges Signature-Gerät! ;-)
Der Hals ist Fett und "vintage" (u.a. große Kopfplatte), vor allem durch das Scalloping aber absolut einzigartig. Für mich kam nur ein Maple-Neck in Frage, denn hier ist "alles aus einem Guss". Das heißt, das Scalloping ist in den aus einem Stück bestehenden Hals eingefräst. Der Rosewood Neck kam für mich aus ästhetischer Sicht nicht in Frage, denn dieser hat die scalloped Bünde nur auf Maple auflaminiert. Außerdem passt Maple meines Erachtens einfach besser zu dem ohnehin schon etwas dunkleren Candy Apple Red. Aber das ist sicherlich alles Geschmacksache und in Bezug auf die musikalischen Qualitäten des Instruments eher von sekundärer Bedeutung.
Die Malmsteen Stratocaster hat einen Messing-Sattel. Keine Ahnung, wieso genau. :-) Angeblich sollen dadurch Leersaiten wie gegriffene Saiten klingen. Mag sein... Auf jeden Fall sind keine Einschränkungen zu erkennen, die ein solcher Sattel mit sich bringt.
Die Poti-Kappen sind im Gegensatz zum weißen Schlagbrett und den Tonabnehmern in Vintage White gehalten - nun gut, das stammt wahrscheinlich von der Malmsteen Strat in Vintage White (dadurch korrespondieren die Potis bei dieser Variante schön mit der Korpuslackierung). Bei der Roten halte ich das nicht unbedingt für sooo sinnvoll, aber es stört auch nicht wirklich. Ein Replacement ist meines Erachtens nicht zwingend erforderlich.
Die Malmsteen Stratocaster wird standardmäßig in einem edlen vintage Tweed-Case geliefert. Eigentlich prima. Es ist innen aber knallig orange ausgeschlagen (und meines Wissens in keiner anderen Farbe lieferbar), was zu anderen Malmsteen-Farbgebungen wie Vintage White oder Sonic Blue sicherlich hervorragend passt, bei Candy Apple Red mit eingelegter Gitarre aber ein wenig sonderbar wirkt... Naja, das Case ist ja hauptsächlich für den Transport da... Aber sollte Fender jemals ein Tweed-Case mit einem Innenleben in Cream White oder einem geckten Antrazith anbieten, wäre ich zu einem Tausch bereit!
Der Halsstab ist durch eine Bullet-Schraube verstellbar (ragt oben an der Kopfplatte etwas heraus). Suuuper... Naja, ist ein nettes optisches Feature, ansonsten für mich aber eher egal.
Das Tremolo ist relativ normal im Vintage-Style. Überraschend stimmstabil, möchte ich anmerken. Aber da ich ohnehin nicht so der Hebel-Zerrer bin werde ich es vielleicht wie bei meiner Standard-Strat blocken (was für Clapton gut ist...)
Die Tuner sind auch im Vintage Style gehalten und funktionieren 1 a.
Insgesamt habe ich an der Malmsteen Strat bisher noch nichts gefunden, was mich wirklich stört oder was eines dringenden Austauschs bedürfte.


Was macht die Fender Malmsteen Stratocaster aus?

Was musste ich mir nicht alles anhören, als ich einige Zeit vor dem Kauf in Gitarristen-Kreisen äußerte, dass ich vorhabe, mir eine Malmsteen Stratocaster zuzulegen...

"Oh, die sind schwer zu spielen - wenn man da zu fest greift, ergibt das kleine Bendings und die Gitarre klingt verstimmt..."
"Da brauchst Du vieeel Übung - der Hals ist sauschwer zu bespielen und völlig anders als bei anderen Gitarren..."
"Ui, darauf kannst Du aber nur harte Sachen spielen - die ist durch die Tonabnehmer voll auf Metal ausgelegt..."

Was soll ich sagen...? Alles Quatsch! :-)

Als ich die Malmsteen Stratocaster das erste mal in den Fingern hatte, konnte ich sofort darauf spielen und auf den Bünden müsste man wirklich pressen wie ein Hirsch, damit sich irgendwelche Mini-Bendings ergeben könnten.

Ich würde behaupten, so ziemlich jeder E-Gitarrist kommt auf Anhieb ohne Probleme mit der Malmsteen Strat klar und der Mehrheit sagt dieses unglaublich coole Spielgefühl spontan zu (so war es jedenfalls bei jedem, der meine angetestet hat). Es fühlt sich an, als wären die Bünde 2 Meter hoch während die Saiten mit Fahrradkettenöl geschmiert sind... :-)

Zu gut deutsch: Man hat ein hervorragendes Bundgefühl und benötigt kaum Druck auf die Seite, um einen sauberen Ton zu intonieren. Da man bei Bendings keinen Kontakt mit dem Griffbrett hat und nicht über das Holz rubbelt, gehen diese besonders leicht und gefühlvoll von der Hand - insgesamt würde ich das Spielgefühl schlicht und einfach "besonders geschmeidig" nennen. Legatos perlen geradezu von der Hand und Tappings sind fast so einfach wie auf der Koyabu-Guitar.

Noch ein Mythos, der mal geklärt werden sollte: Malmsteen spielt seine Instrumente "oben rum" (also g-e) mit ziemlich dünnen Saiten und schon ab Werk ist auf der Malmsteen Strat ein ziemlich dünner Saitensatz (.08er). Ohgottohgottohgott - wie kann man nur!!! (ich höre die Entsetzensschreie bis hier). Aaaaaaaber... Durch das super-hohe Bundgefühl und den minimalen Druck, der benötigt wird, um einen Ton zu erzeugen fühlen sich .08er auf dieser Gitarre an wie 10er auf einer "normalen" Strat. Man merkt garnicht, dass man auf so dünnen Saiten spielt und dickere würden sich vermutlich eher "wurstig" anfühlen (ich würde sagen, man kann auf jede Saitenstärke gefühlt .02 draufaddieren) und den Spielfluss bremsen. Also erstmal antesten, dann aufregen! :-)

Die Pickups sind lecker. Der Hals-Pickup ist schön glockig und bassig und eignet sich bei (bei Bedarf etwas zurückgedrehtem Tone-Poti) im cleanen Modus hervorragend für allerlei Blues- und sogar Jazz-Riffs (!), der mittlere Tonabnehmer klingt super in der Rhythmusarbeit und kann ganz schön funky wenn er will und der Stegtonabnehmer bringt schon im cleanen Modus einen leicht angezerrten, höhenlastig aggressiven Sound, der sich toll für Soli aller Art eignet. Unter Crunch- oder Heavy-Betrieb tun die Tonabnehmer genau das, was man von ihnen erwartet - sie klingen in allen drei varianten rockig bist aggressiv bis kreischend dominant. Sehr eindrucksvoll auch der Wechsel vom Hals- zum Stegpickup und zurück in einer Einstellung. Da hört man wirklich einen massiven Klangwelte-Unterschied. Was brauchst Du mehr, liebes Gitarristen-Herz?

Ich bin ja nun weder Metaler noch Shredder. Was will ich also mit einem solchen Instrument? Für mich ist die Malmsteen Stratocaster einer der Allrounder mit dem gewissen Extra an Originalität unter den Strats schlechthin und außer durch die Präsenz ihres Namensgebers auf der Kopfplatte (und wen diese stört, der kann sie ja bei Bedarf wegschmirgeln oder durch einen netten Sticker vertuschen) so garnicht auf eine bestimmte Stilrichtung festgeschrieben. Man muss wahrlich nicht shredden oder Arpeggio-Salven runterorgeln um an dieser Gitarre Spaß haben zu können.

Ich bin glücklich damit und ich rate jedem, die Malmsteen Strat einfach mal anzutesten (selbst wenn man sonst nicht unbedingt auf Strats steht) es könnte sein, dass man eine neue Liebe entdeckt... Ich habe im Web schon desöfteren Kommentare gelesen wie "Seit ich meine Malmsteen-Strat habe, hängt meine Highspeed-Jackson nur noch an der Wand im Proberaum" oder "Nachdem ich meine erste Malmsteen-Strat hatte, habe ich beschlossen nie wieder was anderes zu spielen als scalloped necks". Ich kann mittlerweile nachvollziehen, was die Kollegen damit meinten (auch wenn ich es vielleicht nicht ganz so radikal sehe).