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 | Kommt bald der Tap-Guitar-Boom? |
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Kommt bald der Tap-Guitar-Boom?
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Wenn man einmal den aktuellen Gitarrenmarkt betrachtet, dann kann man beobachten, dass die Hersteller sich förmlich mit der Konzeption neuer Modelle überschlagen. Von vollelektronischen High-Tech-Äxten bis zu gealterten Vintage-Strats mit künstlich nachempfundenen Bissspuren von Jimi Hendrix persönlich gibt es im Prinzip nichts, was es nicht gibt und es wird monatlich mehr.
Doch wieso? Gibt es noch nicht genug Gitarren? Sind es so durchschlagende Innovationen, dass die Menschheit sie dringend in dieser Fülle braucht? Rechtfertigt der mit drei Wicklungen mehr versehene Pickup in einer Standard-E-Klampfe wirklich eine eigene Modellreihe, die wie eine Neuerfindung des Rads begrüßt und beworben wird (und natürlich sofort einen Tausender extra kostet)? Bringt es die mit Kunststoff in die Kopfplatte eingelassene Signatur eines aktuellen Chart-Gitarristen so sehr, dass die Musik sich ohne sie nicht mehr weiterentwickeln kann?
Ich habe eher den Eindruck, dass die Gitarren-Hersteller verzweifelt nach Gründen suchen, warum sich jemand noch eine Zweit-, Fünft- oder Zehnt-Gitarre zulegen sollte (ich gestehe: ich bin selbst so einer; ich hab über 20, deshalb weiß ich auch, wovon ich spreche). Man versucht Träume zu schaffen. Visionen aufzubauen. Aber letztenendes handelt es sich doch immer wieder um die selben alten 6 Saiten in E-A-D-G-H-E (oder -B-E wenn wir die anglizistische Haltung der Branche berücksichtigen). Und jetzt kommt mir bloß nicht mit Open Tunings - sonst hol ich den Schlaumeier-Orden aus dem Schrank! ;-) Aber egal wie teuer das Custom-Teil auch war - der Ton kommt trotzdem noch aus den Fingern und nur wegen einer neuen Gitarre wurde noch kaum einer zum besseren Gitarristen...
Okay, die Gitarren-Szene ist traditionell orientiert - das sieht man deutlich am Vintage-Boom (auch wenn ich bis heute nicht nachvollziehen kann, warum man für eine künstlich auf alt runtergeschmirgelte Neu-Gitarre einen oder zwei Tausender drauflegt - ich hab meine Babies bisher immer hervorragend selbst herruntergeschrammelt), aber an der Flut an Digital-Equipment kann man auch erkennen, dass Gitarristen (und Bassisten) auch immer ein offenes Ohr und ein Auge für neues haben. Wie sollte man sich auch sonst noch differenzieren in einem Bereich, in dem im Grunde schon fast alles da war?
Das soll keine Kritik an der Gitarre sein (und schon garnicht an den Gitarristen). Sie ist eines der wundervollsten Instrumenten, die der Mensch je geschaffen hat. Es ist vielmehr eine Beobachtung dessen, wohin der Gitarren-Markt geht und welche Rolle die Tap-Guitar zukünftig darin spielen könnte.
Und hier kommt nun auch endlich die Tap-Guitar ins Spiel: Sie ist wirklich anders. Sie bringt echte Vorteile - und nicht nur in optischer oder digitaler Hinsicht. Sie bietet wirklich ein neues Spektrum an Spiel- und Ausdrucksmöglichkeiten. Optionen, die man mit 6 Saiten in dieser Form nie haben wird und die dennoch die meisten Stärken jener 6 Saiten beinhalten.
Klar ist die Tap-Guitar was anderes. Sie kann auch dies und das nicht, was die gute 6-Saitige kann (z.B. Akkord-Strumming), aber es verbietet ja keiner, sich noch eine 6-Saitige für den jeweiligen Einsatz zu halten. Überhaupt handelt es sich hier nicht um eine grundsätzliche Umorientierung, sondern meines Erachtens eher um eine Horizont-Erweiterung.
Ich spiele noch genauso oft "normale" Gitarre (wenn nicht öfter) wie früher. Und ich muss sagen, die Tap-Guitar hat mich in dieser Hinsicht eher bereichert. Ich weiß nicht so genau, woher es kommt - vielleicht von dem intensiveren Training der Hände in Sachen Feinmotorik durch das Tappen - aber ich habe den Eindruck, dass ich durch die Tap-Guitar auf der normalen Gitarre eher besser geworden bin...
Doch nun zum Thema Boom:
Ich beobachte, dass es immer mehr Interessenten für das Tappen gibt. Wo auch immer ich mit einer meiner Tap-Guitars hinkomme, werde ich ausgequetscht, was für ein Instrument das ist und wird probegetappt und bis ins kleinste Detail untersucht.
Ich habe den Eindruck, diese Instrumente bieten der Gitarren-Szene jene Neuerungen, die sie so dringend sucht (mehr dazu auch unter "Was reizt einen "normalen" Gitarristen an der Tap-Guitar") und meine Markt-Beobachtungen sowie Gespräche mit Herstellern, Händlern und Importeuren lassen alle darauf schließen, dass dieses Thema noch gewaltig wachsen wird.
Warten wir es ab - ich möchte nur jetzt (im Frühjahr 2008) folgendes Statement treffen:
"Die Tap-Guitar wird innerhalb der nächsten 5 Jahre einen Bekanntheitsgrad erlangen, dass jeder Gitarrist wenigstens weiß, um was es sich bei ihr handelt. Sie wird in der Musik-Szene immer öfter zu sehen sein und vielleicht wird sie sogar so eine Stellung einnehmen, dass kein großer Hersteller mehr um dieses Thema herumkommt".
War nicht Leo Fender einer der größten Innovatoren des Gitarrenbaus? Ich wüsste gern, was er zu den heutigen Tap-Instrumenten sagen würde und ich wäre gespannt, wie seine Produktauswahl aussehen würde, wenn er in der heutigen Zeit leben würde. Seine Telecaster war in den 50ern auch neu und fremd. Und heute ist sie aus der Musikgeschichte nicht mehr wegzudenken.
Tap on! JHG
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