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 | Was reizt einen normalen Gitarristen an der Tap-Gu |
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Was reizt einen Gitarristen an der Tap-Guitar
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Ich kann natürlich nur aus eigener Erfahrung sprechen, aber ich glaube, meine Motivation in Sachen Tap-Guitar ist kein Einzelfall.
Nach über 20 Jahren Gitarrenspielens von Klassik bis Rock und Jazz war ich am Ende meiner musikalischen Motivation angekommen. Ich war kein Überflieger in Sachen Gitarre (weder Satriani, Malmsteen oder Pass), aber ich war doch immerhin so gut, dass ich so ziemlich überall mitmischen konnte und es gab in meinem Bekanntenkreis nicht allzu viele Gitarristen, die wesentlich mehr konnten.
Trotzdem lag die Gitarre immer öfter in der Ecke. Mir fehlte irgendwie die Motivation. Erst versuchte ich es durch krampfhaften Equipment-Kauf, aber bei der 20. (!) Gitarre stellte ich fest, dass mich auch neue Instrumente nicht mehr richtig motivieren konnten und meine Frau fragte mich schon ob es nicht langsam an der Zeit wäre, eine Lagerhalle anzumieten...
Ich war zwar immer fasziniert von diesen Super-Genies, die Chord-Melody-Stücke zaubern konnten, dass es sich anhörte als spielten da gerade fünf Gitarren gleichzeitig, aber ich wusste, der Sprung in diese Kategorie ist mit so viel Arbeit verbunden, dass ich es innerlich längst aufgegeben hatte (man hat ja als normal arbeitender Mensch schließlich auch noch was anderes zu tun).
Dennoch hatte ich noch immer im Stillen den Traum, aus meinen gitarristischen Erfahrungen irgendwann noch was zu machen. Irgendwann wollte ich wieder mehr üben. Irgenwann wollte ich vielleicht wieder in einer Band spielen. Aus beruflichen Gründen war das nicht so ohne weiteres möglich und allein spielen machte mir einfach keinen richtigen Spaß mehr. Da fehlte einfach was. Das war mir alles zu dünn. Ohne Begleitung machte Solo spielen kein Spaß und ohne Solo keine Begleitung. Playback und Looper sind zwar recht und schön, aber innerlich weiß man doch, dass es halt nicht das ist, nach was es eigentlich klingt...
Ihr seht schon, ich war einfach irgendwie festgefahren und frustriert...
Innerlich hatte ich mich schon ein Stück weit mit so Aussagen wie "früher hab ich auch gern Musik gemacht" oder "wart mal, vielleicht fallen mir noch ein paar Akkorde ein" abgefunden - bis ich über das Thema Tap-Guitar stolperte.
Es war mir nicht ganz neu. Ich war der Tap-Guitar schon viele Jahre vorher in Form eines Stick-Spielers in der Fußgängerzone begegnet, aber damals waren für den Normalsterblichen noch keine Instrumente zu bekommen und ich glaube, ich war auch noch genug mit der Gitarre beschäftigt. Doch diesmal war es anders.
Die Infos, die ich zur Tap-Guitar bekam waren für mich so überzeugend, dass mir spontan Bilder des Übens und des Jammens vor Augen kamen. Auf einmal war wieder dieses Feeling da, das ich mit 15 oder 16 in Bezug auf die normale Gitarre hatte. Ich hatte richtig Bock auf so einem Teil zu rocken. Es war garnicht so einfach, ein passendes Instrument zu bekommen, denn zu diesem Zeitpunkt war der Markt noch äußerst schmal (und er ist es bis auf ein paar angenehme Ausnahmeerscheinungen noch heute), aber ich hatte nach einigen Wochen Internet-Recherche dann doch Erfolg und hielt meine erste eigene Tap-Guitar in meinen Händen.
Seit diesem Tag lässt mich das Thema nicht mehr los, denn plötzlich hatte ich all die Möglichkeiten, die ich vorher vermisste: Solo und Begleitung gleichzeitig, spektakuläre Melodielinien, Rhythmen und Grooves ohne Knoten in den Fingern, neue Sounds, die nicht schon tausendfach runtergenudelt wurden...
Ich stehe dazu: Ich finde Tap-Guitars richtig geil. Ob für Klassik, Rock, Jazz oder exzentrische Sachen - mit einer Tap-Guitar hat man auf jeden Fall viele Möglichkeiten, die weit über das Repertoire der meisten Instrumente hinausgehen.
Ich hab mir mal überlegt, was einen Gitarristen dazu bewegt, sich mit der Tap-Guitar auseinanderzusetzen:
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Größeres Tonspektrum (vom tiefsten Bass bis in die höchsten Lagen der E-Gitarre)
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Zwei Hände, das heißt zumeist 8 Finger (in Ausnahmefällen sogar alle 10) auf dem Griffbrett
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Melodie und Begleitung gleichzeitig möglich (ob Powerchords, Arpeggiern oder Walking-Bass-Lines)
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Alle Sound-Spektren von klassisch brilliant bis bösartig verzerrt vorhanden
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"To go where no one has gone before" - hier gibt es echt noch die Möglichkeit, Neues zu schaffen
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Neue Herausforderungen, wenn die 6 Saiten einfach nicht mehr genug sind
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Praktischer Nutzen in der Band oder Combo - wenn einer Gitarre und Bass gleichzeitig bedienen kann, kommt man auch mit kleinerer Besetzung weiter
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Auffall-Faktor - mit einer Tap-Guitar ist man sicher kein Durchschnitt
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Musikalitäts-Faktor - hier sind harmonische Dinge möglich, die auf keiner Gitarre machbar sind
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Ehrgeiz-Faktor - um auf der Tap-Guitar gut zu sein, muss man als Gitarrist echt noch was tun. Plötzlich hat man wieder Bock aufs über und freut sich an jedem neuen Stück, das man beherrscht
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Ihr sehr, das ist doch schon einiges.
Heute bin ich wieder richtig engagiert, was die Musik angeht. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht mindestens eine Stunde am Instrument sitze und mittlerweile jamme ich auch wieder mit anderen Leuten und komponiere wieder eigene Stücke (von denen Ihr hier mit der Zeit sicher noch einige ertragen müsst). :-)
Ich hab schon einige Leute kennengelernt, die von der Gitarre aus ihren Weg zur Tap-Guitar gefunden haben. Teilweise ging´s ihnen ähnlich wie mir, teilweise waren die Wege auch anders (z.B. Großmeister auf der Gitarre und nun Virtuose der Tap-Guitar oder nur Lagerfeuer-Akkorder auf der Western und heute abjazzen auf der Tap...).
Ich kann auf jeden Fall nur jedem Gitarristen raten, sich einmal mit der Tap-Guitar auseinanderzusetzen. Ich hab noch keinen einzigen getroffen, der dieses Instrument pauschal blöd fand (höchstens welche, die das Thema Zeit als Problem sahen), aber ich hab schon einige getroffen, die darüber wieder Ihren Spaß am Instrument und am Musikmachen fanden.
In diesem Sinne: Tap on!
JHG
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